"Grenzfahrungen mit und ohne Flüchtlinge in Ragusa/Sizilien"

Spenden gingen an die Freundschaftsbrücke Nicaragua

Patrick Jutz, Sprecher vom AK Asyl in Ettlingen, berichtete am Sonntagabend, 20. März,  im Herz-Jesu Gemeindesaal von den Erfahrungen, die seine Frau Ingrid und er im vergangenen November in drei Flüchtlingsunterkünften in Ragusa auf Sizilien erlebten. In eindrücklichen Bildern ließ er die zahlreich erschienenen Interessierten an dem dreiwöchigen Aufenthalt, der von der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) ermöglich wurde, teilhaben. In Ragusa „stranden“ hauptsächlich Flüchtlinge aus Afrika. Die Flüchtlingszahlen über diese Route sind zurückgegangen, seit der Großteil versucht, über den Balkan nach Europa zu gelangen. Das tägliche Leben in Ragusa und die Betreuung in den Unterkünften ist weit weniger organisiert und durchstrukturiert als in Ettlingen. Es war spannend und vieles erstaunlich. Es war bewegend den ganzen Tag mit Menschen zusammen zu sein, die auf der Flucht waren und nun an einem Ort leben, den sie sich selbst nicht ausgesucht haben. Gestrandet an einem Ort mit sehr engen und einfachen Verhältnissen, der nicht dem Traum entspricht, mit dem man zuhause aufgebrochen war. In vielerlei Hinsicht waren Grenzerfahrungen das "tägliche Brot".Ein Flüchtling muss dort mit 75€ Taschengeld pro Monat leben. Sie erhalten zwar die Erlaubnis, sich eine Arbeit zu suchen, aber durch die hohe Arbeitslosigkeit auf Sizilien, ist dies kein leichtes Unterfangen. So vertreiben sich viele mit Fußball oder Gesellschaftsspielen den Tag. Eine Bemerkung eines Flüchtlings beschreibt die Situation sehr gut: „Ich fühle mich so faul, weil ich nicht arbeiten kann, aber ich bin nicht faul“. Durch Verständigungsprobleme und Unkenntnis der Lage vor Ort war es für Patrick und Ingrid nicht einfach, in der kurzen Zeit das Vertrauen der Flüchtlinge zu erlangen. Es gelang erst in der letzten Woche des Aufenthaltes, war dann aber umso herzlicher. Bis heute bestehen Kontakte per Facebook, die die beiden nicht missen möchten.

Das Anliegen der Familie Jutz mit diesem Informationsabend war es, die Zuhörer und Sie dafür zu sensibilisieren, dass die deutsche Gesellschaft zwei große Herausforderungen hat:

- Asylsuchenden aus aller Welt zu helfen und bei uns neu anfangen zu lassen und

- mehr  präventive Projekte (Leuchtturm-Projekte) vor Ort zu starten, damit die Menschen aus diesen Ländern bessere Bedingungen bekommen, um nicht zu flüchten. 

So stellte Patrick an diesem Abend fünf Leuchtturm-Projekte vor, die in Ettlingen den Ansatz der Prävention fördern. An eines dieser Projekte, die „Freundschaftsbrücke Nicaragua“, gingen die Spenden des Abends in Höhe von 359,90 Euro. 

Ca. 50-60 Besucher stellten am Ende interessierte Fragen und zeigten Ihr großes Interesse an diesen Themen. Ein großes Dankeschön  allen Besuchern und Spendern dieses Abends.

Patrick Jutz, im März 2016

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