Doreen Schick und Theresa Nadler 2012/2013

Während  unseres fünfmonatigen Nicaraguaaufenthalts haben wir viel erlebt  und möchten nun darüber ein bisschen erzählen. 

Das Heimleben haben wir  sehr familiär erlebt, manche Erzieherinnen werde von den Kindern sogar „Mamá“ genannt. Der Umgang dort ist sehr herzlich und es erstaunt uns immer wieder, wie ein Heim mit so vielen Kindern so viel persönliche Nähe und Verbundenheit vermitteln kann.

Mit der Zeit wurde sehr  viel, was anfangs noch  fremd war  zum Alltag: der „Gallo Pinto“  morgens und abends zum Essen (das nicaraguanische Nationalgericht aus Reis und Bohnen), die Schuluniformen, das putzen mit dem in Deutschland fast ausgestorbenen Wischmopp und vieles mehr.

Aber auch außerhalb des Heimes hat man sich schon an das Leben hier in Nicaragua gewöhnt. Dazu gehören die immer überfüllten Busse, egal wohin man fährt, die Hitze und natürlich auch die spanische Sprache. Sie ist durch die Arbeit im Heim mittlerweile fast flüssig, da die Kinder so gesprächig und neugierig sind und immer nachfragen. Sie wollen immer alles genau wissen und Neues lernen. Das ist z.B. Leyla (15 Jahre), eine äußerst sprachtalentierte, sehr gute Schülerin, die in einem Förderprogramm für besonders gute Englischschüler ist. Doch Englisch ist ihr nicht genug und so will sie von uns immer neue Sachen auf Deutsch und über Deutschland lernen. Es macht richtig Spaß ihr zu helfen und ihr beim Lernen zu zusehen. Was hierbei besonders zu erwähnen ist, ist dass ihr erst durch das Heim der Zugang zu dieser Bildung und die Erfüllung ihrer Wissensbegierde ermöglich wurden ist. Sie stammt aus einem Dorf nahe der Karibikküste, in dem sie keinen Zugang zur Schule oder andern Bildungseinrichtungen gehabt hätte. Insgesamt muss man sagen, dass die Kinder hier im Heim ab der „secundaria“, der weiterführenden Schule, eine sehr gute Bildung erhalten. Auch gehören immer wieder  Kinder aus dem Heim zu den Jahrgangs- und Schulbesten in ihrer jeweiligen Schule.

Ein wichtiger Teil des Heimlebens ist auch die Kirche.  Dreimal in der Woche findet der Gottesdienst statt und samstags haben die Kinder immer Bibelstunde. Der Pastor, Josué,   bindet die Kinder immer in den Gottesdienst ein, ein paar der Größeren dürfen sogar auch manchmal eine kurze Predigt halten. Auch die musikalische Begleitung wird durch die Heimkinder bewerkstelligt. Sie haben Musikunterricht und so kann im Gottesdienst immer eine Band mit verschiedenen Sängern und Sängerinnen für die musikalische Begleitung sorgen. Der Pastor gestaltet den Gottesdienst immer sehr fröhlich und auch die Bewohner des Dorfes besuchen gerne die Kirche. Höhepunkt ist dann immer die Ausgabe der „alimetos“ (kleine süße Gebäcke) nach dem Freitagsgottesdienst. Aber auch außerhalb der Kirche spielt Pastor Josué eine große Rolle. Er selbst sieht die Kinder des Heims als seine Kinder an und auch die Kinder lieben ihn. Er kümmert sich auch um die Leute aus dem Dorf, z.B. ist er für die Ausgabe der Essenssäcke an besonders unterstützungsbedürftige Familien zuständig und an Weihnachten schaut er, dass die Kinder aus dem Dorf auch Geschenke bekommen. So spielt er hier eine sehr große Rolle, die er aber auch mit Hingabe und Freude erfüllt.

Oft vergisst man durch die Fröhlichkeit der Kinder aus welchen Verhältnissen sie stammen und was sie schon alles erleben mussten.  Viel wird durch die Zuwendung der Betreuer verbessert, jedoch gibt es immer wieder Momente, wo man an ihre Geschichten erinnert  wird.  Zwar verläuft die Arbeit sehr harmonisch und wirksam, jedoch  könnte den Kindern durch ein größeres finanzielles Budget mehr ermöglicht werden. Beispielsweise könnte die Schreinerwerkstatt mit neuen Utensilien ausgestattet werden und die kreative  Arbeit der Kinder könnte umfassender  gefördert werden. 

Uns hat die Arbeit sehr gut gefallen und hat unseren Horizont erweitert.  Wir hoffen, dass vielleicht auch weitere, neue Freiwillige diese Erfahrung machen können und durch ihren Einsatz das Kinderheim weiterhin Unterstützung aus Deutschland erhält.

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