Rundbrief Januar 2024

Liebe Freundinnen und Freunde der Freundschaftsbrücke,


die Kinder in unseren Schulen und die der Familien im Projekt starten dieser Tage in ihr neues Schuljahr. Die bedürftigen Familien haben wieder Unterstützung durch einen Satz Schuluniformen für ihre Kinder bekommen, der von unserem Verein finanziert wurde. Bei unseren Aufenthalten waren wir immer verblüfft, wie es den Eltern unter den zum Teil erbärmlichen Lebensbedingungen in Hütten mit bloßem Lehmboden gelingt, die weißen Hemden und Blusen der Kinder so sauber und einwandfrei gebügelt zu halten, wie dies für den Schulalltag erforderlich ist. Sicher fließen oft Tränen, wenn ein Kind ein Kleidungsstück stark verschmutzt zurückbringt und dafür nicht gelobt werden kann.


Auf den beiden Fotos sehen Sie Kinder aus zwei Familien vor ihrem Zuhause. Sie haben gerade ihre neuen Schuluniformen und Schuhe erhalten. Die Teuerung im Land ist groß. So sind die Preise für Schuhe, Hosen, Röcke und die entsprechenden Oberteile, wie alles andere auch, wieder stark gestiegen. Wir haben dafür in diesem Jahr 2300 Dollar überwiesen. Dies ist nur möglich, da wir auch zum Jahresende wieder einige großartige Spenden von Ihnen bekommen haben. Herzlichen Dank, dass Sie uns auch in dieser multikrisenhaften Zeit, die vielen Angst macht, nicht vergessen!


Unsere Partner in Nicaragua müssen mehr und mehr Zeit aufwenden, die zunehmend
abstrusen und sehr ärgerlichen Bedingungen der Behörden zu erfüllen. Für jeden Monat muss erst ein Ausgabenplan und später ein Ausgabenbericht eingereicht werden.
Aufgrund dieser Berichte werden dann Betriebserlaubnis und Anerkennungszertifikate für unsere Hilfsorganisationen erteilt. Auf diese muss immer relativ lang gewartet werden, die Beamten lassen sich ungern drängen.


Ohne diese Papiere geht jedoch nichts. Spenden dürfen nur angenommen werden, wenn
alles auf dem neuesten Stand ist. Auf den Dollar genau muss die richtige Summe der
erwarteten Spende vorangemeldet werden. Erfolgt das nicht genau oder nicht rechtzeitig, gibt es saftige Strafgebühren. Erschwerend kommt hinzu, dass die formalen Kriterien dieser Unterlagen von den Behörden oft geändert werden.


Glücklicherweise haben wir mit Carolina Alguera und Armando Rivas zwei kompetente Kenner der Verhältnisse, die äußerst sorgfältig arbeiten und viel Herzblut einsetzen, um alle diese Bedingungen zu erfüllen. Carolina schreibt in ihrem Dezemberbericht:


„Ganz ehrlich möchte ich manchmal das Handtuch werfen, wie wir hier in Nicaragua
sagen. Der Stress, den mir das Regierungsministerium bereitet, ist enorm.
Wenn ich dann aber an die Armut der 60 Familien denke, geht diese Schwäche rasch
vorbei. Viele von ihnen müssen zudem Medikamente kaufen, denn in den staatlichen
Krankenhäusern bekommt man nur Paracetamol und Ibuprofen, anstatt der eigentlich
benötigten Medikamente. Sie bitten dann mich um Hilfe und oft muss ich ihnen sagen,
dass wir für solche Extra-Ausgaben keine Mittel haben. Ab und zu wende ich mich dann an meine eigene Familie, damit sie mir was schicken, zumindest für die Bedürftigsten. Wir haben eine Familie in Cristo Rey, deren Mutter an Brustkrebs im Endstadium leidet. Sie hat eine große Wunde an der Brust, die auf den Arm übergreift. Es ist ein Bild wie aus Dantes Inferno, ganz furchtbar. Da sie sich nicht allein helfen kann, kommt zum Waschen und Reinigen der Wunde die Pastorin, die sich auch um die Verteilung der Lebensmittelsäcke kümmert. Die Kinder der Mutter sind noch zu jung und ertragen das nicht. Die Älteste wollte ihrer Mutter beim Gehen helfen. Dabei sind beide gestürzt und nun hat die Mutter zu allem Überfluss noch einen Bruch am sowieso schon kranken Arm. Solche Situationen könnte ich Euch einige schildern, schreckliche Umstände, in denen die Familien leben, denen Ihr so selbstlos helft (…). Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie dankbar die Familien für die Liebe sind, die Ihr im Herzen habt.“


Neues gibt es von den Schulen. Da wir immer weniger Spenden erhalten, drohte die
Schließung der Centroamericana in Nagarote. Mit dem geringeren Spendenaufkommen
können wir die Lehrergehälter dort nicht weiter finanzieren. Für uns schien die Aufgabe der Schule die einzige Lösung. Diese Entscheidung fiel uns allerdings sehr schwer. Wäre es so gekommen, hätte jedoch die Übernahme der Schule durch die Regierung gedroht, was Eltern und Lehrer aber unbedingt vermeiden wollten. Die Leiterin unserer Projekte, Carolina Alguera, hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diese Vorzeigeschule in der Gemeinde circa 50 Kilometer westlich von Managua unabhängig vom Staat zu erhalten. Bei einer Sitzung aller Eltern und Lehrer wurde beschlossen, dass künftig die Familien pro Kind und Monat ein Schulgeld von 15 Dollar bezahlen, das entspricht in etwa 15 Euro. Damit hofft man, die laufenden Kosten fast vollständig decken zu können.


Aus unserer Sicht ist das eine äußerst unterstützenswerte Elterninitiative, die wir aus
vollem Herzen begrüßen, bedeutet sie doch in gewisser Weise ein „Flüggewerden“.
Dennoch sind wir uns sicher, dass es unter den Familien eine ganze Reihe gibt, die
Schwierigkeiten mit der Zahlung bekommen werden, gerade dann, wenn sie mehrere
Kinder in unserer Schule haben. Von Carolina wissen wir, dass sich einzelne Familien in Nagarote bereit erklärt haben, die Kosten für ein „fremdes“ Kind zu übernehmen. Aber das wird nicht ausreichen.


Unsere Bitte an Sie als Spender ist nun: Überlegen Sie sich, ob Sie für einzelne Kinder
eine Art Patenschaft übernehmen können, um den Familien diese finanzielle Belastung abzunehmen und den Schulbesuch für die Kinder weiter sicherzustellen. Dies würde aus Deutschland ein gewisses Sicherheitsnetz bieten, das die Initiative beförderte. Dieses Geld könnte – natürlich am besten – per Dauerauftrag monatlich, viertel-, halb- oder ganzjährig auf unser Spendenkonto mit dem Stichwort „Schulgeld“ überwiesen werden. Selbstverständlich sind wir auch über jede noch so kleine oder große Einzel-Spende für diese Schule froh. Unser Schatzmeister wird diese Gelder dann unter einer Extra-Rubrik verbuchen.


Die Kinder der von uns unterstützten Familien in der Gemeinde in El Cañon haben auch dieses Jahr wieder Spielsachen zu Weihnachten geschenkt bekommen. Für diese
besondere Ausgabe haben Familienangehörige von Carolina Alguera in den USA Spenden geschickt. Natürlich gibt es keine großen Geschenke, aber diese Kinder haben fast nie Spielzeug und sind überglücklich bei der Bescherung. Eine tolle Unterstützung der Familienangehörigen, die voll und ganz hinter den Projekten der Freundschaftsbrücke Nicaragua stehen.


Ihre Unterstützung ist für unsere langfristige Arbeit essentiell. Bitte helfen Sie uns bei
unserer Arbeit, wenn möglich mit Dauerspenden, damit wir mehr Planungssicherheit
haben. Bleiben Sie uns treu, denn Veränderungen und Erziehung dauern ihre Zeit. Aber
Sie können sicher sein, dass durch Ihren und unseren Einsatz in den Leben von vielen
Menschen Veränderungen zum Besseren erreicht werden.


Mit herzlichen Grüßen
Barbara Onahor und Waltraud Klein-Hanagarth