Rundbrief Februar 2025
Liebe Freundinnen und Freunde der Freundschaftsbrücke,
Sie haben sich vielleicht schon gewundert, warum Sie seit längerer Zeit nichts mehr von
uns gehört haben. Der Grund dafür liegt an grundlegenden Veränderungen in unserem
Partnerverein SIANIJ in Nicaragua, über die wir Sie heute unterrichten möchten. Warum
erst jetzt? Wir wollten abwarten, bis wirklich Klarheit herrscht, und das ist, so hoffen wir,
nun erreicht.
Lassen Sie uns einen Blick zurück werfen. Unsere Spendergruppe hier in Deutschland
geht auf die achtziger und neunziger Jahre zurück, eine Zeit, in der Nicaragua häufig in
der Weltöffentlichkeit stand. Daniel Ortega war nach dem Sturz des autoritären Somoza-
Regimes die Hoffnungsfigur. Viele positive Veränderungen wie z.B. die Alphabetisierung
wurden angestoßen. Das war die Zeit, in der Alheide Sieß nach Nicaragua reiste und das
ins Leben rief, was heute die Freundschaftsbrücke Nicaragua ist. Das Ziel: Kindern und
Jugendlichen eine Zukunftschance durch Bildung verschaffen. Einige unserer Spender
und Vereinsmitglieder sind seit dieser Zeit dabei und haben so mehrere Generationen
Kinder und Jugendliche in ihrer Schul- und Persönlichkeitsbildung unterstützt und
begleitet. Eine enorme Leistung von bleibendem Wert! In dieser Zeit ist aber in Nicaragua
und hier viel passiert.
Nicaraguas Regierung heute, seit Jahren wieder unter Daniel Ortega, steht für eine
enttäuschte Hoffnung auf Veränderung und tritt – wenn überhaupt – mit zweifelhaften und
kruden Aktionen ins Scheinwerferlicht der Weltmedien. In Nicaragua herrscht inzwischen
eine Autokratie, die Menschen haben Angst, den Mund aufzumachen. Die wirtschaftliche
Situation ist desolat. Davon erfährt man hier selten etwas, andere Krisen und Kriege
„buhlen“ um unsere Aufmerksamkeit und Spendenbereitschaft.
Die Folgen: Unsere Spendeneingänge gehen seit Jahren zurück. Daher konnten wir
immer weniger nach Nicaragua überweisen, von 18.000 $ in den Hochzeiten auf zuletzt
8.000 $ monatlich im letzten Jahr. Nach der Schließung des Kinderheimes durch den
Staat mussten wir uns nach und nach von zwei Schulen trennen. Übrig blieben eine
Schule und das Familienprojekt. Doch – unsere finanzielle Lage besserte sich trotz dieser
massiven Einsparungen nicht. Viele unserer langjährigen und treuen Spender sind
mittlerweile verstorben oder sehr betagt und können uns aus verschiedenen Gründen
nicht mehr unterstützen. Neue Spender sind kaum zu finden.
Änderungen waren also zwingend nötig. Viele schlaflose Nächte in Nicaragua bei
Carolina Alguera und ihrem Team von SIANIJ und in Deutschland bei unseren Vereins-
mitgliedern begleiteten den Prozess. Auch die letzte Schule mussten wir aus finanziellen
Gründen aufgeben. Nie zur Debatte stand die Unterstützung der rund 60 Familien, denn
für sie gibt es keinen Ersatz für diese überlebenswichtige Hilfe. Aber das Familienprojekt
allein mit der bisherigen Verwaltungsstruktur weiterzuführen war unverhältnismäßig.
Die Lösung für unser Familienprojekt: Über ein Mitglied der Freundschaftsbücke haben
wir im Nicaragua-Verein Oldenburg e.V. und dessen Partnerverein Apreden eine
Organisation gefunden, die ähnliche Ziele verfolgt wie wir, und mit der wir zusammen-
arbeiten können. Das heißt, die 60 von uns unterstützten Familien können weiter durch
unsere Spenden ihre Kinder in die Schule schicken. Sie werden nun über die Organisation
Apreden von dem Ort San Francisco Libre aus durch den Verantwortlichen Jimmy Zamora betreut und begleitet. Dafür überweisen wir aktuell 3.000 monatlich. Ebenso beteiligen wir uns an den Verwaltungskosten vor Ort, die durch die Kooperation der beiden Vereine deutlich niedriger ausfallen, obwohl die dortigen Mitarbeiter für ihren Mehraufwand eine Gehaltserhöhung erhalten.
Die Arbeit von Apreden: Seit rund 25 Jahren liegt ein Schwerpunkt in einem Stipendien-
programm für Schüler, die sonst nicht in der Lage wären, den Schulbesuch zu bezahlen.
Zudem bietet eine Bibliothek für die Kinder und Jugendlichen vor Ort Informations-, Lern- und Rückzugsmöglichkeit. Diese beiden Projekte können nun, falls es unsere Mittel
erlauben, Schritt für Schritt ausgebaut werden. Wer von Ihnen bisher die Schulen als
seinen besonderen Spendenschwerpunkt gesehen hat, wird sich nun über das
Familienhilfsprogramm dort beheimatet fühlen können. Wir werden selbstverständlich
über diesen Projektteil in Zukunft mehr berichten. Außerdem gibt es einen ökologischen
Programmteil, der den traditionellen Hausbau propagiert und über eine Baumschule um
Aufforstung der eher kargen Region mit fruchttragenden Bäumen bemüht ist. Für mehr
Infos empfiehlt sich die Webseite nicaraguaverein-oldenburg.de, auf der die Projekte
sehr anschaulich beschrieben sind. Besonders lesenswert ist der Rundbrief 2024! Auch
eine Teilnahme an den monatlichen online-Treffen ist möglich und erwünscht
(s.Webseite).
Zum Jahresende konnte unser Partner-Verein SIANIJ in Nicaragua aufgelöst werden.
Carolina Alguera ist nun im Ruhestand und kann sich mehr um ihre angeschlagene
Gesundheit kümmern. Sie und ihre Mitarbeiter haben viele Jahre wertvolle Arbeit für viele Kinder und Jugendlichen in Nicaragua geleistet. Dafür haben wir uns sehr bedankt.
Wir denken, es ist eine für alle Beteiligten tragbare Lösung. Unsere ehemaligen Schulen
arbeiten seit dem Start des neuen Schuljahres Ende Januar unter der Regie des
Erziehungsministeriums. Alle Lehrer und Wächter, die das wollten, wurden übernommen.
Wie sich der Unterricht zukünftig entwickelt, bleibt abzuwarten.
Unsere Hoffnung: Bleiben Sie uns unter diesen neuen Voraussetzungen bitte weiterhin
treu! Auch in Zukunft kommen Ihre Spenden eins zu eins in Nicaragua an und helfen dort
der Ausbildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Mit herzlichen Grüßen
Waltraud Hanagarth und Barbara Onahor
