Rundbrief Juli 2022

Liebe Spenderinnen und Spender,

heute möchten wir Ihnen zunächst unser Hilfsprogramm für sehr arme Familien genauer vorstellen.

Viele Familien in Nicaragua nehmen in Zeiten der Not ihre Kinder aus der Schule, um sie zum Arbeiten zu schicken. Diese erschreckende Tatsache gab den Anstoß für die Gründung des Familienprogramms. Die Idee war, dass die Kinder mit ihrem Schulerfolg zum Familieneinkommen beitragen.

Die aktuell 60 teilnehmenden Familien bekommen dafür, dass sie ihre Kinder trotz widriger Lebens-umstände regelmäßig zur Schule schicken, einen großen Sack. Der Schulbesuch und auch der Lernfortschritt der Kinder werden verfolgt und dokumentiert, um sicherzugehen, dass es Lernfortschritte gibt. Dieser Sack, der als Basisausstattung dienen soll, enthält folgendes:

  • Nahrungsmittel wie Reis, Bohnen, Tomatensoße, Hafer, Salz, Zucker, Tütensuppen, Kaffee, Öl, Zucker, Nudeln
  • Dinge des täglichen Bedarfs wie Streichhölzer, Waschmittel, Toilettenpapier, Seife, Spülmittel.

Wenn es Extraspenden gibt, kommen noch andere Produkte hinzu wie zum Beispiel Eipulver, Wurst, Käse, Shampoo oder andere Pflegeprodukte.

Das sind immer schwere Säcke, denn es kommen zum Beispiel 6 kg Reis und 4 kg Bohnen hinein, die Grundnahrungsmittel in Nicaragua. Man muss sich vorstellen, was für eine Aktion es ist, 60 Säcke mit so vielen Dingen zu füllen und dann vor Ort zu den Ausgabestellen oder auch direkt zu den oft abgelegen Unterkünften zu bringen! Die Familien wohnen in teils slumartigen Siedlungen, etwa in Cristo Rey, einer Gemeinde am Rande der großen Müllkippe zwischen Managua und Tipitapa Hier versuchen die Menschen aus dem Müll alles Brauchbare zu recyceln. Unter solch erbärmlichen Bedingungen lebt zum Beispiel Martha Elena Aburto Gutiérrez, mit drei Töchtern (8, 16 und 22 Jahren). Über sie berichtet Carolina:

Die Mutter hat von niemandem aus der Familie Unterstützung. Die Frau leidet unter Diabetes und braucht ständig medizinische Hilfe. Ein Finger und ein Stück Ferse mussten ihr wegen des Diabetes schon amputiert werden. Von den älteren Töchtern hat keine Arbeit, die Achtjährige besucht die Schule. Die Hütte ist in schlechtem Zustand: Wenn es regnet, läuft das Wasser rein. Geld zur Reparatur ist keines vorhanden.

Einige Familien leben in Managua, aber auch in der Gemeinde El Cañon, in der unsere Schule Martin Luther King steht. Die Familie von Ofelia del Carmen Monrroy Mendoza wird so beschrieben:

Die Mutter ist taubstumm und dadurch eingeschränkt und ohne Arbeit. Silvio (16) und Genoveva (12) gehen noch zur Schule. Die Familie lebt recht isoliert in extremer Armut und die Lebensmittel aus dem Sack sind alles, was sie zum Essen haben.

Oft leben mehrere Generationen zusammen und versuchen, ihr Leben nach ihren Möglichkeiten zu fristen:

María Teresa (68) lebt mit ihrer Tochter Carmen María Palacios (39) und deren Kindern Jeyner und Hansel zusammen. Die Witwe hat Herz- und Blutdruckprobleme, ist nierenkrank und hat Artritis. Sie kümmert sich dennoch um die epilepsiekranke Tochter und deren Kinder. Jeyner macht mit einem Stipendium von OrphaNetwork eine Ausbildung zum Autolackierer und -schweißer. Wir vermuten, dass er eine Minderbegabung hat und deshalb nicht recht mit seiner Arbeitsentwicklung voran kommt. Der jüngere Bruder geht noch zur Schule.

In Nicaragua gibt es vor allem bei Grundnahrungsmitteln seit Jahren starke Preissteigerungen, die deutlich über unserer aktuellen Inflation liegen. Vor allem die Armen ächzen. Natürlich wird es auch immer schwerer, mit den angedachten 40 Euro pro Sack und Familie auszukommen, obwohl Carolina Alguera monatlich Preise vergleicht und neu aushandelt, um immer die günstigsten Angebote zu bekommen. Deshalb unsere Bitte an Sie: Erhöhen Sie, wenn möglich, Ihre Dauerspende auf 50, besser auf 60 Euro. Denken Sie bitte darüber nach, ob Sie das können und wollen. Wenn Sie bisher sporadisch spenden, fassen Sie eine Dauerspende ins Auge! Für viele Familien ist der Sack die einzige Möglichkeit, an Essen zu kommen und oft wird ab der Monatsmitte gespart und auch gehungert, weil das Essen einfach nicht für 4 Wochen reicht.

Die Schulen laufen sehr gut, wie die Direktorinnen berichten. Nach anfänglich etwas zurückhaltenden Anmeldungen in La Esperanza und in Centroamericana sind auch da die Klassen wieder voll belegt. Wegen Covid wird auch Homeschooling angeboten. Wer das will und kann, erhält die Aufgaben zugeschickt. Auch die Schulspeisung gibt es nach wie vor in allen Schulen, ermöglicht durch die Pine Escolar, einem Programm des Erziehungsministeriums. Das Essen wird von den Eltern reihum zubereitet, wo möglich in den Schulen, zum Teil auch zu Hause. Für viele Kinder ist es die einzige verlässliche Mahlzeit am Tag.

Das schöne Anwesen unseres Kinderheims ist mittlerweile als Schenkung in die Hände der nicaraguanischen mennonitischen Kirche übergegangen. Sie erinnern sich, das Heim war vom Ministerium unter fadenscheinigen Vorwänden geschlossen worden, um eigenes Versagen zu vertuschen. Es fiel uns allen sehr schwer, uns von dem über Jahre gewachsenen, mit viel Herzblut und Spendengeldern aufgebauten Projektteil zu trennen. Wir haben uns schließlich für die Schenkung entschieden, weil die monatlichen Unterhaltskosten nicht mehr zu stemmen waren. Alternative Nutzungsmöglichkeiten durch den Verein wie z.B. eine Kindertagesstätte wurden vom Staat nicht genehmigt. Auch Kaufinteressenten waren nicht zu finden. Keine Organisation wollte sich auf das Wagnis einer solchen Investition in diesem politisch und wirtschaftlich unsicheren Klima einlassen. Letztlich zählte für uns, dass das Anwesen in gute Hände kommt und dass für unsere Spender nicht weiter Kosten durch einen Leerbetrieb entstehen. Nun soll dort ein Altenheim eingerichtet werden.

Wir hoffen unsererseits darauf, in einem irgendwann sich bessernden Umfeld wieder mit neuem Elan an ein ähnliches Projekt zu gehen. Aktuell ist wichtig, dass die drei Schulen und das Familienprojekt weiterlaufen, was angesichts der staatlichen Schikanen schwer genug ist. Carolina muss den Behörden monatliche Wirtschaftspläne und Abrechnungen vorlegen und jede ausländische Überweisung vorab ankündigen. Es ist ihrer Geschicklichkeit zu verdanken, dass unsere NGO noch existiert und nicht wie viele andere verboten wurde. So können wir unserem Ziel weiterhin nachgehen, den Kindern armer Familien Bildung zu vermitteln.

Wir haben wieder tolle Spenden erhalten! In dieser krisengeprägten, schweren Zeit waren doch einige von Ihnen einfallsreich und kreativ! Vielen Dank dafür! Jetzt über den Sommer werden hoffentlich wieder eine Reihe schöner Aktionen stattfinden können, so zum Beispiel der zweimal wegen Covid abgesagte Spendenlauf der Realschule Neureut!

Bleiben Sie uns treu – wir können weiter sehr sinnvolle Arbeit in Nicaragua leisten!

Herzliche Grüße Barbara Onahor und Waltraud Klein-Hanagarth



Minderbegabung hat und deshalb nicht recht mit seiner Arbeitsentwicklung voran kommt. Der jüngere
Bruder geht noch zur Schule.
In Nicaragua gibt es vor allem bei Grundnahrungsmitteln seit Jahren starke Preissteigerungen, die deutlich
über unserer aktuellen Inflation liegen. Vor allem die Armen ächzen. Natürlich wird es auch immer
schwerer, mit den angedachten 40 Euro pro Sack und Familie auszukommen, obwohl Carolina Alguera
monatlich Preise vergleicht und neu aushandelt, um immer die günstigsten Angebote zu bekommen. Deshalb
unsere Bitte an Sie: Erhöhen Sie, wenn möglich, Ihre Dauerspende auf 50, besser auf 60 Euro. Denken Sie
bitte darüber nach, ob Sie das können und wollen. Wenn Sie bisher sporadisch spenden, fassen Sie eine
Dauerspende ins Auge! Für viele Familien ist der Sack die einzige Möglichkeit, an Essen zu kommen und oft
wird ab der Monatsmitte gespart und auch gehungert, weil das Essen einfach nicht für 4 Wochen reicht.
Die Schulen laufen sehr gut, wie die Direktorinnen berichten. Nach anfänglich etwas zurückhaltenden
Anmeldungen in La Esperanza und in Centroamericana sind auch da die Klassen wieder voll belegt. Wegen
Covid wird auch Homeschooling angeboten. Wer das will und kann, erhält die Aufgaben zugeschickt. Auch
die Schulspeisung gibt es nach wie vor in allen Schulen, ermöglicht durch die Pine Escolar, einem Programm
des Erziehungsministeriums. Das Essen wird von den Eltern reihum zubereitet, wo möglich in den Schulen,
zum Teil auch zu Hause. Für viele Kinder ist es die einzige verlässliche Mahlzeit am Tag.
Das schöne Anwesen unseres Kinderheims ist mittlerweile als Schenkung in die Hände der
nicaraguanischen mennonitischen Kirche übergegangen. Sie erinnern sich, das Heim war vom Ministerium
unter fadenscheinigen Vorwänden geschlossen worden, um eigenes Versagen zu vertuschen. Es fiel uns allen
sehr schwer, uns von dem über Jahre gewachsenen, mit viel Herzblut und Spendengeldern aufgebauten
Projektteil zu trennen. Wir haben uns schließlich für die Schenkung entschieden, weil die monatlichen
Unterhaltskosten nicht mehr zu stemmen waren. Alternative Nutzungsmöglichkeiten durch den Verein wie
z.B. eine Kindertagesstätte wurden vom Staat nicht genehmigt. Auch Kaufinteressenten waren nicht zu
finden. Keine Organisation wollte sich auf das Wagnis einer solchen Investition in diesem politisch und
wirtschaftlich unsicheren Klima einlassen. Letztlich zählte für uns, dass das Anwesen in gute Hände kommt
und dass für unsere Spender nicht weiter Kosten durch einen Leerbetrieb entstehen. Nun soll dort ein
Altenheim eingerichtet werden.
Wir hoffen unsererseits darauf, in einem irgendwann sich bessernden Umfeld wieder mit neuem Elan an ein
ähnliches Projekt zu gehen. Aktuell ist wichtig, dass die drei Schulen und das Familienprojekt weiterlaufen,
was angesichts der staatlichen Schikanen schwer genug ist. Carolina muss den Behörden monatliche
Wirtschaftspläne und Abrechnungen vorlegen und jede ausländische Überweisung vorab ankündigen. Es ist
ihrer Geschicklichkeit zu verdanken, dass unsere NGO noch existiert und nicht wie viele andere verboten
wurde. So können wir unserem Ziel weiterhin nachgehen, den Kindern armer Familien Bildung zu
vermitteln.
Wir haben wieder tolle Spenden erhalten! In dieser krisengeprägten, schweren Zeit waren doch einige von
Ihnen einfallsreich und kreativ! Vielen Dank dafür! Jetzt über den Sommer werden hoffentlich wieder eine
Reihe schöner Aktionen stattfinden können, so zum Beispiel der zweimal wegen Covid abgesagte
Spendenlauf der Realschule Neureut!